SIZ Forum Datenschutz360°

Warum Datenschutz heute mehr ist als Regulierung

Während bei der Fußball-WM über Taktik, Spielsysteme und die besten Strategien diskutiert wird, standen beim SIZ Forum Datenschutz360° am 16. und 17. Juni in Bonn andere Spielregeln im Mittelpunkt: Die der digitalen Welt.

Und wie im Fußball wurde auch hier schnell deutlich: Wer nur reagiert, läuft dem Spiel hinterher. Wer früh erkennt, wohin sich das Spiel entwickelt, verschafft sich Vorteile.

Genau darum ging es beim SIZ Forum Datenschutz360°. Veränderungen frühzeitig einordnen, unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und Orientierung in einem zunehmend dynamischen Umfeld schaffen.

Datenschutzverantwortliche, Datenschutzbeauftragte, Revisoren und Fachverantwortliche aus der Sparkassen-Finanzgruppe diskutierten, welche Entwicklungen den Datenschutz aktuell prägen und was dies für die Praxis bedeutet.

Eine Erkenntnis zog sich dabei wie ein roter Faden durch die Veranstaltung: Datenschutz ist längst nicht mehr nur eine regulatorische Pflicht. Er schafft Vertrauen, ermöglicht Innovation und hilft dabei, digitale Entwicklungen verantwortungsvoll zu gestalten.

Dass sich die Rahmenbedingungen verändern, zeigte gleich zu Beginn Axel Voss, Mitglied des Europäischen Parlaments. In offener und nahbarer Art gab er Einblicke in aktuelle Diskussionen auf europäischer Ebene. Dabei sprach er über Ideen zur Vereinfachung regulatorischer Vorgaben, mögliche Weiterentwicklungen der DSGVO und Herausforderungen wie den zunehmenden Missbrauch von Auskunftsbegehren. Besonders bemerkenswert: Sein ausdrückliches Angebot an die Teilnehmenden, Erfahrungen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge direkt an ihn heranzutragen. Gesetzgebung, so seine Botschaft, lebt vom Austausch mit der Praxis.

Auch Christof Rietzke, Geschäftsbereichsleiter Datenschutz und Informationssicherheit der SIZ, zeigte auf, wie wichtig klare Strukturen und abgestimmte Verantwortlichkeiten sind. Die Weiterentwicklung von Governance und Methoden innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe verfolgt ein klares Ziel: Mehr Einheitlichkeit und eine noch bessere Orientierung bei der Umsetzung regulatorischer Anforderungen.

Vertrauen stand anschließend im Mittelpunkt mehrerer Vorträge.
Dr. Christian Groß, Referent im Leitungsstab und projektverantwortlich für das Datenbarometer des BfDI, machte deutlich, dass Vertrauen kein Selbstläufer ist. Datenschutz schafft Vertrauen nicht allein durch Regeln, sondern durch Transparenz, Verständlichkeit und wirksame Kontrolle für die Betroffenen. Die Ergebnisse des Datenbarometers zeigen dabei durchaus Handlungsbedarf: So bezweifeln 75 Prozent der Befragten, dass Websites ihre gewählten Datenschutzeinstellungen tatsächlich einhalten. Datenschutz und Vertrauen sind eng miteinander verbunden, und beides muss immer wieder neu verdient werden.

Wie wichtig der direkte Austausch ist, zeigte Katja Kötterheinrich vom Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Rheinland-Pfalz. Mit Praxisbeispielen, aktuellen Gerichtsentscheidungen und viel Interaktion nahm sie die Teilnehmenden mit in die Aufsichtspraxis der Kreditwirtschaft. Ihre Botschaft war ebenso klar wie ermutigend: „Greifen Sie gerne zum Hörer.“ Der Dialog mit der Aufsicht sei ausdrücklich gewünscht, auch dann, wenn Unsicherheit besteht, ob tatsächlich eine Datenpanne vorliegt.

Dass Datenschutz vor allem auch von Kommunikation lebt, zog sich durch den ersten Veranstaltungstag. Gemeinsam mit Moderator Sven Böbel führte Fabian Drasdo, Geschäftsführer DRASDO training & coaching GmbH, gewissermaßen als „Co-Trainer“ durch diesen Teil des Forums. Sein Appell: Datenschutz wird dann erfolgreich, wenn Menschen mitgenommen werden. Wer frühzeitig das Gespräch sucht, zuhört und Lösungen gemeinsam entwickelt, schafft Zusammenarbeit statt Konfrontation. Datenschutz als Gestaltungselement statt als Verhinderer. Dieses Bild fand bei vielen Teilnehmenden großen Anklang.

Am zweiten Tag richtete sich der Blick stärker nach vorne. Künstliche Intelligenz war dabei eines der dominierenden Themen. Matthias Mohn vom DSGV zeigte auf, wie tiefgreifend KI die Finanzbranche verändern wird. Die entscheidende Frage sei längst nicht mehr, ob KI eingesetzt wird, sondern wie dies verantwortungsvoll, transparent und regulatorisch abgesichert erfolgen kann. Welche Unterstützung die Sparkassen dabei künftig erwarten können, zeigte er anhand der Arbeiten im KISPA-Projekt des DSGV. Dort werden im Arbeitspaket Regulatorik Orientierungshilfen und Unterstützungsangebote für die Einordnung und Umsetzung regulatorischer Anforderungen entwickelt.

Passend dazu beleuchtete Dana John von der Finanz Informatik aktuelle Datenschutzfragen rund um KI-Anwendungen sowie klassische Betroffenenrechte. Ihr Vortrag machte deutlich, dass Datenschutz ein dynamisches Handlungsfeld bleibt, das von Auskunftsersuchen bis hin zu neuen Fragestellungen rund um Künstliche Intelligenz reicht und eine enge Zusammenarbeit innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe erfordert.

Neben den Fachvorträgen war es vor allem der persönliche Austausch, der das Forum prägte. In Diskussionen, Workshops und Gesprächen zwischen den Programmpunkten wurden Erfahrungen geteilt, Fragen diskutiert und Kontakte geknüpft.

Zum Abschluss zog Sven Böbel, stellvertretender Abteilungsleiter Datenschutz der SIZ, noch einmal Bilanz, ganz im Zeichen der laufenden Fußball-WM. Sein Fazit: Keine Platzstürme, keine Fanausschreitungen, dafür viele gute Kombinationen, intensive Diskussionen und zahlreiche Vorlagen für die Praxis.Mit einem Augenzwinkern brachte er die beiden Veranstaltungstage schließlich auf den Punkt: „Auch Spanien spielt mal 0:0. Datenschutz ist schwer prognostizierbar.“

Genau deshalb lebt Datenschutz vom Dialog. Vom Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, Aufsichtsbehörden, Verbänden und Dienstleistern. Und genau dafür bot das SIZ Forum Datenschutz360° den passenden Rahmen.

Mit dem SIZ Forum Datenschutz360° hat die SIZ erstmals eine Plattform geschaffen, die aktuelle Entwicklungen im Datenschutz aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Von der europäischen Gesetzgebung über die Aufsichtspraxis bis hin zu den Auswirkungen neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz. Die positive Resonanz und die intensive Beteiligung der Teilnehmenden zeigten, wie wichtig Formate sind, die aktuelle Entwicklungen einordnen, unterschiedliche Perspektiven aus der Sparkassen-Finanzgruppe zusammenbringen und Orientierung in einem zunehmend dynamischen Umfeld bieten.


Ihre Ansprechpartnerin:

Anja Derkum
Abteilungsleiterin Datenschutz
E-Mail:  DS-Backoffice [at] siz [dot] de

Kommen Sie gerne auf uns zu.